Buchvorstellung Gebete des heiligen Franziskus

Buchbesprechung

Gebete des heiligen Franziskus

Wer die Spiritualität eines Menschen kennen will, kann dies am eindrücklichsten über seine Gebete tun. Selbst formulierte Gebete sind ein sehr persönlicher Zugang zur Glaubensbiografie eines Menschen. Sie sind seine originale Stimme und Denkweise.

Dies trifft auch auf Franz von Assisi zu, dessen 800. Todestag am 3. Oktober 2026 begangen wurde. Peter Fobes erläutert einige der wichtigsten Gebete des hl. Franziskus (1181-1226) und bringt sie in den Dialog mit entsprechenden Bildern, vor allem von Orten in und um Assisi. So sind das Berufungsgebet San Damiano zugeordnet, das Kreuzverehrungsgebet San Francesco, die Ermahnungen Rivo Torto, die Psalmzusammenstellungen aus dem Passionsoffizium zu Karfreitag und zu Weihnachten verschiedenen Giotto-Frescen, der Gruß an Maria Portiuncula, der Segen für Bruder Leo und der Lobpreis Gottes La Verna sowie der Sonnengesang Santo Stefano.

Durch die Zuordnungen lässt sich das Buch als spiritueller Reisebegleiter nutzen. Zumal auf den ersten Teil der Gebete (von knapp einhundert Seiten) ein zweiter Teil „Pilgern in der Stadt des heiligen Franziskus“ folgt, in dem die franziskanischen Stätten beschrieben werden. Zuvor gibt der Autor die Lebensgeschichten von Franz von Assisi und Klara von Assisi in komprimierter Form wider. Der Stadtrundgang beinhaltet Santa Chiara, San Rufino, Piazza del Commune, Chiesa Nuova und Stalletta, Santa Maria Maggiore, Abtei San Pietro sowie San Francesco. In deren Unterkirche wurde der hl. Franziskus 1230 aus San Giorgio überführt und unter dem Altar beigesetzt. Im 19. Jh. wurde eine eigene Grabkapelle eingerichtet. Das Bildprogramm der Unter- und Oberkirche verdeutlicht durch unterschiedliche Künstler (Franziskusmeister, Cimabue, Giotto, Lorenzetti) die Gleichförmigkeit des hl. Franziskus mit Jesus Christus, weshalb er auch „zweiter Christus“ genannt wird. Als Orte außerhalb werden vorgestellt San Damiano, Rivo Torto, Santa Maria degli Angeli (Portiunkula) mit Transituskapelle und Eremo delle Carceri.

Das vorliegende Werk ist eine erweiterte Neuauflage von 2008. Wer den Kontext der Gebete des hl. Franziskus vertiefen möchte, kann die Ausführungen von Leonhard Lehmann aus seinem Werk „Franziskus – Meister des Gebets“ (Kevelaer 2007) heranziehen, die auch der Autor für  seine Erläuterungen „800 Jahre im Geist des Mannes aus Assisi“ zugrunde legt. Die Gebete von Franziskus zeigen seine tiefe biblische und liturgische Verwurzelung, seine kreative Gestaltungsfreude, seine emotionale Ausdruckskraft, seine geschwisterliche Grundeinstellung, aber auch sein Ringen mit Gott in den schweren Momenten seines Lebens. Von daher mag neben dem Sonnengesang der Lobpreis Gottes die eindrücklichste Gebetsanrufung Gottes sein, die auch eine jede, einen jeden von uns einlädt, Gott mit ganz persönlichen Worten und Attributen zu danken, zu loben und zu preisen.

Autor

Peter Fobes, geboren 1952, Franziskanerbruder, studierte Mathematik und Kunstwissenschaft in Bonn und Aachen. Nach kurzer Lehrertätigkeit im Franziskus-Gymnasium Vossenack/Eifel arbeitete er lange Zeit in der Verwaltung der Kölnischen Franziskanerprovinz. 2011 verbrachte er eine Sabbatzeit in Assisi.

Bibliografie

Peter Fobes, Gebete des heiligen Franziskus, „800 Jahre im Geist des Mannes aus Assisi, 174 S., Kühlen Verlag, Mönchengladbach 2026, ISBN: 978-3-87448-602-6; Preis: 16,80 Euro

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Buchbesprechung Gebete des heiligen Franziskus

 

Br. Stefan Federbusch