Hoffnungsschimmer der Woche

Gutes > Dank > Ermutigung >> Der Hoffnungsschimmer der Woche

Gegen alles Dunkle und Belastende in unserer Welt gibt es einen Lichtstrahl der Hoffnung. Regelmäßig erzählen Menschen ihre „Frohe Botschaft“, ihre „Gute Nachricht“, einen Hoffnungsmoment des Alltags.

(c) Joshua-Woroniecki-Pixabay

„Hab Mut, steh auf!“

Unter diesem Motto steht der 104. Deutsche Katholikentag in Würzburg.

In einem Sammelband geht es um Ermutigungen, das Leben in die Hand zu nehmen…

„Hab Mut, steh auf!“ aus der Perspektive eines Künstlers

Ich habe nie gelernt, wie man richtig glaubt. Nicht der „Herr, ich bin nicht würdig“-Glaube, nicht der „Amen, so sei es“-Glaube. Mein Glaube war immer ein Riss. Ein Zweifel mit Rhythmus. Eine Frage, die nicht zu sterben bereit ist. Ich habe geglaubt, weil jemand es nicht anders wollte. Und aufgehört zu glauben, weil ich nicht anders konnte. Vielleicht ist das die ehrlichste Form des Glaubens: der, der nicht sicher ist. Der Glaube, der atmet und flackert. Der, der sich selbst widerspricht und gerade deshalb lebendig bleibt. Ich glaube an nichts, was nicht auch sterben kann. Und ich glaube an nichts, das sich nicht auch verwandelt…

Ich wünsche mir, dass Kirche so ist. Nicht ein Monument der Sicherheit, sondern ein Raum der Möglichkeit. Nicht ein Wächterhaus für Wahrheiten, sondern ein Probenraum für Hoffnung. Nicht ein Gerichtssaal, sondern eine Bühne. Wo man hinfallen darf und wieder aufstehen. Wo man zweifeln darf. Und trotzdem irgendwie glaubt. Wo man schreien darf. Und trotzdem gehört wird.

Aber dafür müsste sie sich verwandeln. Sich selbst befragen. Ihre Sprache verlernen und eine neue lernen. Eine Sprache, die nicht von oben spricht, sondern neben uns geht. Eine Sprache, die nicht befiehlt, sondern fragt. Eine Sprache, die nicht urteilt, sondern heilt. Eine Kirche, die bleiben will, muss sich bewegen.

Ich glaube nicht mehr an einen Gott, der beleidigt ist, wenn ich ihn kritisiere. Ich glaube an einen Gott, der zuhört, wenn ich schreie. Der schweigt, wenn ich ihn anschreie, nicht aus Arroganz, sondern aus Nähe. Vielleicht ist das kein Gott im klassischen Sinn. Vielleicht ist es eine Kraft. Eine Gegenwart. Ein Atem, der nicht von mir kommt und doch durch mich geht. Ich weiß es nicht. Und genau deshalb glaube ich.

Ich glaube an Jesus, nicht als Statue aus Holz oder Gold, sondern als Mensch mit staubigen Füßen. Ich glaube an ihn, weil er nicht gesagt hat: „Seid brav“, sondern: „Folgt mir.“ Und folgen heißt gehen. Weggehen. Aufbrechen. Neues versuchen. Er hat keine Kirche gegründet. Er hat Menschen berührt. Und sie sind weiter gegangen. Das ist der Teil, den ich behalten will…

„Hab Mut, steh auf.“ Dieser Satz klingt heute für mich anders als früher. Früher war es ein Trost. Heute ist es eine Forderung. Steh auf, nicht weil du musst, sondern weil du kannst. Steh auf, nicht weil es leicht ist, sondern weil es schwer ist. Steh au, nicht weil jemand das befiehlt, sondern weil du es willst. Und steh auf, nicht nur für dich, sondern auch für die, die es nicht können.

Ich sehe die Welt und sie taumelt. Kriege, Krisen, Klima. Menschen, die schreien und andere, die weghören. Eine Kirche, die redet, als wüsste sie alles und eine Gesellschaft, die nicht mehr zuhören will. Und ich frage mich: Was, wenn wir alle neu anfangen würden? Ohne Gewissheit. Ohne Dogma. Nur mit einem Satz: Hab Mut, steh auf. Vielleicht wäre das genug. Vielleicht ist es alles, was wir brauchen.

Ich bin überzeugt, Glaube es nicht das Gegenteil von Zweifel. Glaube ist der Mut, mit dem Zweifel zu leben. Ihn nicht loswerden zu wollen. Ihn nicht zu bekämpfen, sondern ihm einen Platz zu geben. In mir sitzt der Zweifel wie ein Mitbewohner, der nie Miete zahlt, aber immer da ist. Ich habe aufgehört, ihn rauswerfen zu wollen. Wir teilen uns jetzt den Kühlschrank. Und manchmal, wenn es still ist, wir uns treffen auf ein letztes Fläschchen Wein, sagt er: Du bist auf dem richtigen Weg…

Vielleicht ist das alles, was ich sagen kann. Vielleicht ist das alles, was ich sagen will. Glauben ist kein Besitz. Kirche kein Gott. Zweifel kein Feind. Aufstehen kein Wunder. Mut kein Luxus. Leben kein Befehl, sondern eine Kostbarkeit… Und ich glaube – gegen jede Wahrscheinlichkeit, gegen jede Müdigkeit gegen jede Wunde – dass es sich lohnt zu leben. Nicht später. Jetzt. Nicht anderswo. Hier. Nicht perfekt. Aber wahr.

Kai Christian Moritz (britisch-deutscher Schauspieler, Regisseur und Sänger)

(Quelle: Bischof Franz Jung (Hg.), Hab Mut, steh auf. Ermutigungen, das Leben in die Hand zu nehmen, Echter Verlag, Würzburg 2026, 105-113, Auszüge)

 

Haben auch Sie Alltagsgeschichten erlebt, die Hoffnung machen? Wenn Sie sie mit uns teilen mögen, freuen wir uns unter hoffnung@franziskaner.de auf Ihre Erzählung.