Sr. Katharina Ganz wird künftige Caritas-Präsidentin

Der Caritasrat hat am 9. Juli 2026 Sr. Dr. Katharina Ganz zur Präsidentin und Vorständin Verbands- und Sozialpolitik des Deutschen Caritasverbandes gewählt. Sr. Katharina Ganz wird im Februar 2027 die Nachfolge von Eva Welskop-Deffaa antreten, die nach fast zehn Jahren im Vorstand des Deutschen Caritasverbands in den Ruhestand gehen wird.

Sr. Katharina Ganz war bis 2025 Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen, einer international tätigen päpstlichen Kongregation, die sich in der Kinder-, Jugend- Frauen- und Altenhilfe engagiert. Die promovierte Theologin mit einem zusätzlichen Abschluss in Sozialwesen hat in ihrer Kongregation zunächst als Sozialpädagogin und später als Einrichtungsleiterin gearbeitet, bevor sie 2013 Verantwortung in der Ordensleitung übernahm. Sr. Katharina Ganz gehört seit Mai 2025 als Einzelpersönlichkeit dem Zentralkomitee deutscher Katholiken an. Sie war Mitglied der Synodalversammlung des Synodalen Weges und bis 2026 Beraterin in der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz.

Sr. Katharina Ganz vor dem aktuellen Motto der Caritas-Kampagne (Foto: Elke Schänzler – Caritas)

„Schwester Katharina wird mit ihrer Führungserfahrung, ihrer theologischen und spirituellen Verankerung, ihren praktischen Erfahrungen in der sozialen Arbeit und ihrem politischen Gestaltungswillen eine große Bereicherung für den Deutschen Caritasverband sein“, sagt der Vorsitzender des Caritasrats Dr. Frank Johannes Hensel.

Die Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes ist zugleich Vorsitzende des Vorstands und wird für 6 Jahre gewählt. Der Vorstand leitet den Verband und trägt die Gesamtverantwortung für die strategische Ausrichtung, die Weiterentwicklung und die Vertretung des Verbandes in der Kirche und gegenüber Politik und Gesellschaft.

Der Deutsche Caritasverband ist der größte deutsche Wohlfahrtsverband und engagiert sich seit über 125 Jahren für Menschen in Not. Mit bundesweit 770.000 Mitarbeitenden, über 500.000 ehrenamtlich Engagierten und rund 25.000 Einrichtungen und Diensten unterstützt die Caritas jährlich rund 13 Millionen Menschen. Von der Kinder- und Jugendhilfe über die Pflege älterer Menschen bis hin zur Begleitung von Menschen in Krisensituationen setzt sich die Caritas für ein solidarisches Miteinander und die Stärkung des Sozialstaats ein. Sie ist mit ihrem Hilfswerk Caritas international weltweit mit mehr als 600 Projekten in 77 Ländern aktiv.

Quelle: https://www.caritas.de/

 

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Künftige Caritas-Präsidentin: Dafür steht Schwester Katharina Ganz

Freiburg ‐ Mit Katharina Ganz kommt eine unerschrockene Ordensfrau an die Spitze der Caritas. Sie gehört seit Jahren zu den starken Reformstimmen in der katholischen Kirche. Berühmt wurde ein Auftritt mit Papst Franziskus.

Sie ist eine Kämpferin und nimmt auch vor dem Papst kein Blatt vor den Mund. Die Ordensschwester Katharina Ganz (56) tritt seit vielen Jahren für mehr Rechte von Frauen in der katholischen Kirche ein und erlangte damit bundesweite Bekanntheit. Für sie ist klar: „An der Frauenfrage entscheidet sich die Zukunft der katholischen Kirche.“ Das begründete sie auch in ihrem Buch „Frauen stören“.

Von 2012 bis 2025 war Ganz Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen mit Niederlassungen in Deutschland, Südafrika und den USA. Am Mittwoch wurde die promovierte Theologin und Sozialpädagogin in Freiburg zur neuen Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes gewählt. Sie tritt im Februar die Nachfolge von Eva Maria Welskop-Deffaa (67) an, die die Caritas seit 2021 leitete. Sie wird nach fast zehn Jahren im Vorstand in den Ruhestand gehen.

„Knallende Ohrfeige“ vom Papst

Immer wieder sorgte die Ordensfrau Ganz für Schlagzeilen, etwa 2019 bei einer Papst-Audienz in Rom für die Leiterinnen von Frauenordensgemeinschaften aus aller Welt. Dort sprach sie den Papst mit „Bruder Franziskus“ an und sagte ihm, man dürfe die Frage, ob Frauen zu Diakoninnen geweiht werden können, nicht nur aus der Geschichte und der Dogmatik heraus beantworten. Der Papst antwortete mit dem Verweis auf die Offenbarung, die Katholiken zu respektieren hätten, und dem unvollendeten Satz „Aber wenn eine von Ihnen eine andere Kirche gründen will …“ Ganz nahm es erst mit Humor, bewertet es heute aber als „knallende Ohrfeige“.

Weniger Paternalismus und Bevormundung, das ist ihr Credo. In einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sagte Ganz 2019: „Kommunikation in der katholischen Kirche geschieht asymmetrisch von oben nach unten. Und die Deutungshoheit über das, was Kirche ist, haben ausschließlich geweihte Männer. Also müssen Frauen die Machtfrage stellen.“

Schwester Katharina ist Mitglied des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken und der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz. Beim Synodalen Weg zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland wirkte sie unter anderem im Frauen-Forum mit.

Die künftige Caritas-Präsidentin mit dem einnehmenden Lachen kam 1970 in Franken zur Welt und wuchs als Erika Ganz in einer Messner-Familie auf. Kirche habe sie damals als Ort der Freiheit und Entfaltung erlebt. Und Erika hatte schon früh Entfaltungsdrang: „Ich komme vom Dorf und wollte immer weg vom Dorf“, erzählt sie. Ihre Motivation sei Bildung gewesen. „Als erstes Mädchen aus unserm Dorf bin ich aufs Gymnasium gegangen. Das war nicht selbstverständlich.“

Nach der Schule studierte sie Theologie in Würzburg, wo sie mit feministischer Theologie in Berührung kam, und bald auch Sozialpädagogik: „weil ich sehr bald gemerkt habe, als Frau in der Kirche brauchst du ein zweites Standbein.“

„Von den geistigen Fähigkeiten ist der Wille immer mein starker Motor gewesen.“

—  Zitat: Schwester Katharina Ganz

Während des Studiums führte ein Praktikumsjahr Ganz in eine Missionsstation französischer Ordensleute in der Zentralafrikanischen Republik. Eine Zeit, die sie prägte. Dort entdeckte sie die franziskanische Spiritualität für sich: „mitten in der Welt zu sein, bei den Armen und nicht zurückgezogen in einem Kloster zu leben.“ 2002 trat sie in Würzburg bei den Oberzeller Franziskanerinnen ein.

Sie arbeitete zunächst mehrere Jahre als Sozialpädagogin im Antonia-Werr-Haus des Ordens für Frauen in Krisensituationen. Dort begleitete sie unter anderem Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution. Später leitete sie das Bildungshaus im Kloster Oberzell und wurde 2013 schließlich zur Leiterin, zur Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen gewählt.

Clownerie-Fortbildung

„Ich bin immer ins kalte Wasser geworfen worden, und oft war ich überfordert“, sagt sie rückblickend. „Aber ich bin an den Aufgaben gewachsen.“ Ganz hat Stehvermögen. „Von den geistigen Fähigkeiten ist der Wille immer mein starker Motor gewesen.“

Als sie im vergangenen Sommer das Amt der Generaloberin abgab, nahm sie sich danach eine Auszeit und pilgerte in Italien auf den Spuren des Heiligen Franziskus. Es sei ihr auch um ein bewusstes Loslassen der eigenen Macht gegangen, erzählte sie in einem Podcast im März. Zudem habe sie eine Clownerie-Fortbildung gemacht. Gefragt, was nun komme, antwortete Schwester Katharina: „Ich glaube, dass das Leben noch viele Überraschungen bringt, und ich freue mich, hoffentlich auch in Kirche, Gesellschaft – und Politik vielleicht weiter meine Stimme zu erheben.“

Von Karin Wollschläger (KNA)

Quelle: https://katholisch.de/artikel/69388-kuenftige-caritas-praesidentin-dafuer-steht-schwester-katharina-ganz