Liebe Schwestern und Brüder,
manchmal wird mir alles zu viel. Nicht nur, weil es so viel ist. Sondern weil ich den roten Faden in alledem nicht mehr erkenne. Dann frage ich mich: Wofür das alles? Wohin soll das führen?
In Frankreich gibt es einen alten Osterbrauch: Am Ostermorgen geht man zum Brunnen und wäscht sich die Augen mit frischem Wasser. Warum? Damit man „Osteraugen“ bekommt. Osteraugen – das sind Augen, die mehr sehen. Die tiefer sehen. Die im Gewöhnlichen das Besondere entdecken. Im Alltäglichen das neue Leben. Denn das ist Ostern: Nicht alles wird anders. Aber ich kann anders sehen. Die Welt erscheint in einem neuen Licht.
Diese österliche Sichtweise kann ich nicht machen. Sie ist ein Geschenk. Manchmal wächst sie leise in mir: durch das Wort eines Menschen, der mir die Augen öffnet. Beim Blick von einem Berggipfel, der mich aufatmen lässt. Oder am Meer, wenn die Gedanken weit werden und sich löst, was festsaß.

Und dann – ganz unverhofft – ist er wieder da: der rote Faden meines Lebens. Und ich ahne: Nicht ich halte den Faden. Gott hält ihn. Und er lässt ihn nicht los. Auch dann nicht, wenn ich ihn mal aus den Augen verliere.
Ich wünsche Euch solche Osteraugen. Damit Ihr – mitten im Alltag – den roten Faden Eures Lebens immer wieder entdeckt. Und mit neuer Hoffnung weitergehen könnt.
Im Namen des INFAG-Vorstands und der Mitarbeiterinnen unserer Geschäftsstelle wünsche ich Euch frohe und gesegnete Ostern – pace e bene!
Br. Markus Fuhrmann ofm
INFAG-Vorsitzender
Der INFAG-Osterbrief zum Download (pdf)
Osterbrief 2026