„Herr, sei gelobt…“
INFAG-Sonnengesangwochenende in Vallendar
Ein großes Fest feierten knapp 100 Mitglieder der Franziskanischen Familie vom 22.-24. August 2025 in Vallendar anlässlich 800 Jahre Sonnengesang und 10 Jahre Vivere.

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen. Und manche sind derart einmalig, dass es ein großes Versäumnis wäre, sie nicht zu begehen. Dies gilt auch für unsere franziskanischen 800-Jahre-Jubiläen, die zumindest aus Jahrhunderteperspektive und aus menschlicher Lebenszeit gedacht ein-malige Ereignisse sind. Und so stellte sich die Frage, wie die Franziskanische Familie in Deutschland das Ereignis 800 Jahre Sonnengesang des Hl. Franziskus begehen möchte? Zumal es noch einen zweiten Festanlass gab: 10 Jahre Vivere. Die franziskanische Bewegung verknüpfte ihr Jahrestreffen mit der INFAG-Veranstaltung.

Die Mitglieder der AG Franziskanische Jubiläen waren sich schnell einig darin, ein Fest zu feiern und was dieses Fest auszeichnen sollte: bunt – vielfältig – kreativ. Genau das war es, was die etwa 70 Dauerteilnehmenden und 28 Tagesgäste in Vallendar erlebten. Nachdem das Sonnengesang-Symposium im Oktober 2024 in Bonn den gelungenen wissenschaftlichen Auftakt gesetzt hatte, bot das Wochenende vom 22.-24. August 2025 im Haus Wasserburg (und im Haus Vinzenz Pallotti als zweites Übernachtungsquartier) in Vallendar den passenden Rahmen, den Sonnengesang in praktischen Bezügen lebendig werden zu lassen und miteinander unter dem Motto „Herr, sei gelobt…“ ein fröhliches Fest zu feiern. Zwar übte Bruder Sonne ein wenig die Demut, ließ sich eher selten blicken und überließ das Feld den Schwestern Wolken und jeglichem Wetter. Da sich aber auch Schwester Wasser zurückhielt, war es zwar kühl, aber meistens trocken. Und in der zweiten Nacht funkelten gar die Sterne. Aber der Reihe nach…

Die Kennlernphase mit einigen Aufstellungen spiegelte die Vielfalt der franziskanischen Familie wider: je rund ein Viertel der Teilnehmenden stammten aus Ordensgemeinschaften, aus dem Ordo Franciscanus Saecularis (OFS), aus der Bewegung Vivere sowie aus dem Interessenkreis. Alle verband, dass sie „im Herzen barfuss“ sind und inspiriert von der franziskanischen Spiritualität. Bei der Aufstellung zur Anreisezeit zeigte sich die geografische Streuung und das Glück oder Pech mit Staus und Zugverspätungen.

Entsprechend dem inhaltlichen Konzept gab es keine Vorträge zum Sonnengesang, sondern verschiedenste Angebote und Workshops mit sehr unterschiedlichen Zugängen zum „Lied der Geschöpfe“, wie der Sonnengesang ja auch genannt wird. Die Palette reichte vom kreativen Tun in Form der Malerei (Sigrun Hoyer-Kräckel) und des Kerzengestaltens (Hiltrud Bibo), über Landart (Br. Stefan Federbusch) und astronomische Zugänge (Br. Bernardin Marker), über einen kontemplativen Sonnengesangspaziergang (Sr. Christina Mülling) und Meditativen Tanz (Ursula Clemm), einen Bibliolog (Andrea und Dieter Bruns) und Qi-Gong (Monika Bohley) bis hin zu Vorbereitungsgruppen für den Bunten Abend (Jürgen Jeremias Lechelt) und für den Abschlussgottesdienst (Markus Fuhrmann).


Mit nichtmenschlichen Elementen in der Bibel beschäftigten sich Stephanie Schaerer und Johannes Steffens. Als Dauerangebote gab es eine Dauerausstellung über Vivere in der Aula und eine Marienikone vom OFS für den Raum der Stille. Eine Gruppe unter Animation von Damian Bieger machte es sich gar zur Aufgabe, den Sonnengesang neu zu vertexten und auf eine bekannte Melodie hin zu Gehör zu bringen.
Dies geschah beim Fest der Geschwister am Samstag, bei dem die neu entstandene Version zur Melodie von „Amazing Grace“ den Höhepunkt der Beiträge bildete. Zuvor schon hatten sich die Teilnehmenden begeistern lassen von den Zaubereien von Uli Clemm. Die Wirklichkeit ist offensichtlich vielschichtiger als auf den ersten Blick wahrzunehmen ist und die Frage, was ist Realität, was ist Illusion blieb letztendlich offen. Die Verbindung schaffte zumindest das Bewegungsspiel „Krieacht a Schneckli“, zu dem Br. Bernardin Marker animierte. Als Pilgerin der Hoffnung schaffte es das Schneckli in 3 Minuten 10 Sekunden von Vallendar bis Rom.

Etwas mehr Zeit hatten die Teilnehmenden des Workshops „Landart“, bei dem sie am Vormittag in der Schöpfung den Sonnengesang in Naturmaterialien umgesetzt hatten. Einen Eindruck ihres kreativen Wirkens gab eine kleine Diashow mit Bildern der entstandenen Werke.

Die Teilnehmenden des Workshops „Meditatives Tanzen“ setzten unter Anleitung von Ursula Clemm das Sonnengesangslied von Helmut Schlegel und Andreas Walke „Laudato si – Lobt Gott mit allen Stimmen“ in Gesten und Bewegung um. Francesco (in Form einer Handpuppe) und Jürgen Jeremias Lechelt, der durch den Abend moderierte, waren wie alle anderen glücklich und zufrieden über diesen wahrhaft „Bunten Abend“ kreativer Geschwisterlichkeit.

Eindrucksvoll war das TAU aus Teelichtern, das den Festabend beschloss und die Nacht zum Segen erleuchtete. Es bildete den visuellen Mittelpunkt des Komplet-Gebetes, vorbereitet von Sr. Klara Merath. Je zwei weitere Abend- und Morgengebete, vorbereitet von Andrea und Dieter Bruns, Damian Bieger und Jürgen Jeremias Lechelt, bildeten den liturgischen Rahmen der Tage sowie die abschließende Feier der Eucharistie. Auch sie wurde in einer Workshopgruppe vorbereitet und vom stellvertretenden INFAG-Vorsitzenden Br. Markus Fuhrmann zelebriert.

In Erinnerung bleiben wird allen Beteiligten die Umsetzung des Evangeliums, der Gang durch die (symbolische) enge Pforte und die Frage: „Kenne ich dich?“, die Jesus ganz persönlich an mich stellt. Ebenso die eindrückliche Bewegung zum italienisch gesungenen Friedensgebet „Herr, mach mich zum Werkzeug deines Friedens!“

In der Auswertungsrunde hatten alle Beteiligten durch Aufstellung den Wetterbericht erstellt, der die Großwetterlage der Gesamtgruppe wiederspiegelte. Die Meteorologen würden von einem stabilen Hoch sprechen, das sich zunächst nicht von der Stelle bewegte, da die genannten Aspekte wie die äußeren Rahmenbedingungen und die inhaltliche Gestaltung gleichermaßen äußerst positiv bewertet wurden. Erst als von den Moderatoren Sonne und Regen im Raum getauscht wurden, kam Bewegung in die Sache und setzte eine kleine Völkerwanderung ein. Denn alle abgefragten Aspekte zeugten von großer Zufriedenheit. So konnte Br. Markus Fuhrmann denn den Mitgliedern der Vorbereitungsgruppe (Hiltrud Bibo, Stephanie Schaerer, Sr. Klara Merath, Sr. Christina Mülling, Ursula Clemm, Jürgen Jeremias Lechelt, Br. Damian Bieger und Br. Stefan Federbusch) im Namen des INFAG-Vorstands ein herzliches Dankeschön aussprechen und als Dankgeschenk eine Gabe der Schöpfung in Form von Honig überreichen (Danke auch an unsere Schwestern Bienen!).
Von einem kleinen Wermutstropfen berichteten Br. Damian Bieger und Jürgen Jeremias Lechelt. Der ausgeschriebene Wettbewerb mit Gewinn-Aktion zum Sonnengesang mit der Einladung an Schulklassen und Jugendgruppen, sich mit diesem zu beschäftigen und ein Projekt einzureichen, stieß auf so gut wie keine Resonanz. Und dass, obwohl alle Pfarreien mit franziskanisch-klarianisch-elisabethischem Namen und alle katholischen Schulen angeschrieben worden waren. Somit entfiel die eigentlich vorgesehene Preisverleihung. Die Beteiligungs- und Dankesbrettchen wurden unter den Teilnehmenden des Wochenendes verteilt mit der Bitte, diese an Engagierte weiterzugeben und auf diese Weise den Sonnengesang weiter ins Bewusstsein zu bringen.

Die Anwesenden hat er auf jeden Fall inspiriert und es dürfte für jede und jeden etwas Ansprechendes dabei gewesen sein. Dieser Bericht kann nur vom äußeren Rahmen erzählen, nicht aber von den Zugängen der Einzelnen und dem, was sie im Herzen mitgenommen haben. Da dürften sehr viele unterschiedliche Sonnenstrahlen zusammengekommen sein.

Eines hat der oben beschriebene Teilnehmendenkreis in jedem Fall gezeigt: Die Franziskanische Familie ist weit mehr als ein Zusammenschluss von Ordensgemeinschaften. Angesichts von deren zurückgehenden Mitgliederzahlen wird der franziskanische Gedanke immer stärker von Nichtordensleuten gelebt und in die Welt getragen. Das Jubiläumswochenende zum Sonnengesang war für mich ein Spiegel und Vorausblick, wie es auf Zukunft hin sein wird, wenn sich franziskanisch inspirierte Menschen treffen und miteinander feiern.
„Herr, sei gelobt…, dass Du uns dieses geschwisterliche Fest franziskanischer Fröhlichkeit und Begegnung geschenkt hast!“
Br. Stefan Federbusch