Hoffnungsschimmer der Woche

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Gegen alles Dunkle und Belastende in unserer Welt gibt es einen Lichtstrahl der Hoffnung. Regelmäßig erzählen Menschen ihre „Frohe Botschaft“, ihre „Gute Nachricht“, einen Hoffnungsmoment des Alltags.

(c) Joshua-Woroniecki-Pixabay

Ungeplante Unterbrechung

Ich freute mich auf die Auszeit, die mir bevorstand. Ich war auf dem Weg ins Kloster Neustadt an der Weinstraße zu einer Suchzeit. Über eine Stunde Puffer hatte ich eingeplant, um entspannt anzukommen. Der ICE fuhr pünktlich los und ich musste nur einmal umsteigen. So hätte alles glatt laufen können, wäre da nicht diese Baustelle auf der Strecke bei Gelnhausen gewesen. Plötzlich gab es einen dumpfen Schlag, der ICE bremste abrupt ab und blieb stehen. Kurze Zeit später kam die Durchsage der freundlichen Zugbegleiterin: „Wie Sie mitbekommen haben, hat es einen ordentlichen Rums getan. Der Zug kollidierte mit einem Baggerarm. Wir wissen noch nicht genau um die Auswirkungen, doch ich werde Sie weiter informieren, sobald wir uns ein Bild von der Lage gemacht haben.“ Wiederum kurze Zeit später wurden wir informiert, dass die Kollision so beträchtlich war, dass wir auf die Einsatzleitung aus Frankfurt warteten. Der Strom im Zug wurde abgestellt. Glücklicherweise wurde bei dem Aufprall keine Person im Zug verletzt. Im Wagen waren Gesprächsfetzen über das Geschehen zu hören. Alles blieb ruhig. Die Ankunft der Einsatzleitung verzögerte sich, doch wir wurden immer wieder gut informiert. Inzwischen war über eine Stunde vergangen. Im Bordbistro wurden kostenlos Getränke an die Fahrgäste verteilt. Nach Einschätzung der Lage durch die Einsatzleitung wurde schnell klar, dass wir mit diesem ICE die Fahrt nicht würden fortsetzen können. Ein Ersatzzug musste bereitgestellt werden. Da es im Zug aufgrund der nicht mehr funktionierenden Klimaanlagen inzwischen recht warm wurde, wurden die Außentüren geöffnet. Wir konnten beobachten, wie sowohl im Zug als auch außerhalb Bahnpersonal, Polizei und weitere Einsatzkräfte hin und her liefen. Auch Presse war zu sehen und inzwischen konnten wir von unserem Unfall im Internet lesen. Darüber erfuhren wir, dass der Baggerfahrer leicht verletzt worden war und ins Krankenhaus kam. Die Zeit verging und nach wie vor war die Stimmung sehr ruhig. Im Zug wurden Getränke an die Fahrgäste verteilt. Nach mehr als drei Stunden stand der Ersatzzug bereit und die Evakuierung konnte beginnen. Bei etwa 650 Personen dauerte dies über eine Stunde, doch dann waren alle wohlbehalten im Ersatzzug angekommen und die Reise konnte – mit insgesamt fünf Stunden Verspätung – fortgesetzt werden.

Ich war überrascht, wie gelassen die Reisenden mit der Situation und der Verspätung umgingen. Personen informierten sich gegenseitig, wenn nicht alles verstanden wurde oder im Internet neue Informationen bekannt wurden. Mehrere Menschen telefonierten, um ihre Flüge zu stornieren oder umzubuchen. Und dann gab es diese kleinen Zeichen der Menschlichkeit. Da war die junge Reisende, die den Einsatzkräften Kekse anbot. Eine andere bedankte sich bei einer Polizeibeamtin für ihren Dienst. Bei der Evakuierung unterstützten sich die Fahrgäste beim Gepäcktransport. Ich bin dankbar, dass dieser Unfall so glimpflich ablief, und für diese Hoffnungsschimmer, die mich darin bestärken, an das Gute im Menschen zu glauben.

Sr. Beate Krug (Kassel)

 

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