Neue Wege in Kassel: Offene Türen im Stadtkloster
Sr. Beate Krug lebt seit Oktober im Stadtkloster Kassel und gestaltet den Neuaufbruch mit

Im Stadtkloster Kassel entsteht etwas Neues: Menschen mit verschiedenen spirituellen Wurzeln teilen dort Alltag, Gebet und Suche nach einer gemeinsamen Form gelebten Glaubens. Seit Oktober ist auch Sr. Beate Krug von den Oberzeller Franziskanerinnen Teil dieser Bewegung. Sie packte ihre Sachen und machte sich auf den Weg nach Kassel, um die Initiative „Stadtkloster Kassel“ zu unterstützen – ein Projekt, das Sr. Ruth Stengel von den Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel (SMMP) ins Leben gerufen hat. Ausgangspunkt war die Frage: Wie kann Ordensleben in die Zukunft geführt werden?
Sr. Ruth war bewusst: „Die Zeiten, in denen sich jährlich mehrere Frauen oder Männer einer Ordensgemeinschaft anschließen, sind vorbei. Doch nach wie vor gibt es viele Menschen, die auf der Suche nach einem spirituellen Leben sind.“ So gründete sich vor einem Jahr die „Stadtkloster Kassel“-Bewegung und lud Menschen ein, diesen Weg gemeinsam zu gehen.

Nun ging die Initiative den nächsten Schritt: Sr. Ruth zog mit zwei weiteren Bewohner:innen in das Pfarrhaus neben der Kirche St. Bonifatius in Kassel: Theresa Glaser, Mitinitiatorin der Bewegung, und Pia Loïc Stamer, Oblat:in des Benediktinerklosters Nütschau (OblOSB). Diese drei öffneten ihre Türe schon bald für Sr. Beate. Sie lebt seit Ende Oktober in der Hausgemeinschaft und wurde sehr herzlich empfangen. Die Veränderung sieht Sr. Beate, die bereits seit Beginn der Bewegung mit Sr. Ruth verbunden war, als Neuaufbruch: „Die Frage, wie Ordensleben weiterentwickelt werden kann, beschäftigt mich schon lange und ich bin hier selbst auf der Suche, denn attraktiv ist Ordensleben nach wie vor. Ich freue mich, nun die Möglichkeit zu haben, diese Bewegung als Oberzeller Franziskanerin mitzugestalten.“
Noch ist im Stadtkloster Kassel vieles in der Entwicklung und in der Erprobung. Feste Rituale, wie sie Ordensgemeinschaften in ihrer Tradition haben, gibt es noch nicht. Wichtig sind der Initiative das gemeinschaftliche Gebet und offene Türen für suchende Menschen.
Spurgruppe unterstützt die Hausgemeinschaft
Neben der Hausgemeinschaft gibt es die sogenannte Spurgruppe. Das sind außer den Bewohner:innen des Pfarrhauses aktuell sechs Personen, die das Stadtkloster mit ihrem Gebet, ihrer Zeit und ihrem Engagement unterstützen. Die Spurgruppe trifft sich regelmäßig zum Gebet und Abendessen und immer wieder zu Nachmittagen und Wochenenden, um sich besser kennenzulernen und das Stadtkloster weiterzuentwickeln. Einmal im Monat wird ein öffentliches Gebet für alle angeboten, die den Prozess geistlich unterstützen möchten. Begleitet wird dieser Neuaufbruch von Sr. Igna Kramp von der Congregatio Jesu (CJ), der Leiterin des Entwicklungsbereichs Geistliche Prozessbegleitung im Bistum Fulda.

Sr. Beate wurde von ihrer Gemeinschaft offiziell ins Stadtkloster Kassel entsandt. Sie wird regelmäßig im Kloster Oberzell sein und weiterhin ihre Aufgabe als Nachhaltigkeitsbeauftragte erfüllen. Auch wenn dies bedeutet, Liebgewonnenes zurückzulassen und die Mitschwestern weniger oft zu sehen, sieht sie in ihrem neuen Dienst eine große Chance für die Kongregation und für sich persönlich. „Ich kann hier von Anfang an mitgestalten und hinspüren, was Gottes Plan für mich und uns als Gemeinschaft innerhalb des Stadtklosters ist“, sagt Sr. Beate überzeugt. Die Gemeinschaft wünscht ihr viel Segen auf diesem Weg ins neue, unbekannte Land:
„Vertrau auf Ihn, Er führt, Er leitet dich – nur Mut!“ (Antonia Werr)
Wer näher dabei sein möchte, kann dem Stadtkloster Kassel auf Instagram folgen:
www.instagram.com/stadtkloster_kassel
Quelle: Lupe 91-2025, Das Magazin der Oberzeller Franziskanerinnen, 24-25